Mit WordPress auf zu neuen Ufern

Was verbirgt sich hinter Gutenberg?

Mit dem Gutenberg Editor möchte das Entwicklerteam hinter WordPress grundlegende Änderungen am WP Core Code vornehmen. Angetrieben vom Streben nach Benutzerfreundlichkeit wird derzeit mit Hochdruck an einem neuen System gearbeitet, mit dem das Erstellen und Pflegen von Inhalten einfacher und effizienter für die weniger versierten Autoren gemacht werden soll. Was dahinter steckt und das für dich bedeutet, erfährst du in diesem Artikel.

Mit einem philosophischen Paradoxon einer griechischen Legende – dem Schiff des Theseus – leitet Gutenberg Entwickler Matías Ventura seinen Blogbeitrag über den neuen und künftigen Editor von WordPress ein. Eine fundamentale Änderung des WordPress Kerns soll eine bessere Nutzererfahrung hervorbringen, das Be- und Erarbeiten von Inhalten erleichtern und ablenkungsfreier gestalten. Auch Laien, die keinerlei Verständnis für Content Management Oberflächen mitbringen, sollen möglichst frustfrei und schnell die Inhalte ihrer auf WordPress basierenden Website verändern können. Realisiert werden soll dies durch den Einsatz eines besser strukturierten Editors der den geschichtsträchtigen Namen „Gutenberg“ erhalten hat.

Hierzu passend zunächst eine alte Überlieferung nach Plutarch:


„Das Schiff, auf dem Theseus mit den Jünglingen losgesegelt und auch sicher zurückgekehrt ist, eine Galeere mit 30 Rudern, wurde von den Athenern bis zur Zeit des Demetrios Phaleros aufbewahrt. Von Zeit zu Zeit entfernten sie daraus alte Planken und ersetzten sie durch neue intakte. Das Schiff wurde daher für die Philosophen zu einer ständigen Veranschaulichung zur Streitfrage der Weiterentwicklung; denn die einen behaupteten, das Boot sei nach wie vor dasselbe geblieben, die anderen hingegen, es sei nicht mehr dasselbe.“

Warum Gutenberg?

Wie schon die Philosophen damals werden sich die WordPress Anwender heute über den Sinn und Nutzen dieser Grundsanierung streiten. Für viele ist der bisher eingesetzte TinyMCE ein Segen, ein Werkzeug das leicht mit eigenen Funktionen erweitert werden kann und auch Autoren ohne Programmierkenntnisse die Möglichkeit gibt, so etwas wie ein Layout in ihren Artikel zu pflegen. Man kennt diesen Editor aus anderen CMS und Shopsystemen und es gibt unzählige Tutorials die einen schnellen Einstieg ermöglichen.

Andere, vorwiegend technisch versiertere Benutzer wiederrum, dürften kein Problem mit Gutenberg haben. Wer sich mit den wichtigsten HTML Bausteinen auskennt, nutzt in der Regel ohnehin den Textmodus im Eingabefeld. In manchen Redaktionen ist dieser Modus sogar Pflicht, denn durch den TinyMCE Einsatz werden häufig unerwünschte Codeschnipsel eingefügt. Ein Problem das im Textmodus gar nicht erst entsteht.

Für das WordPress Team erscheint der Schritt hin zu einer eigenen, komfortablen Editorlösung längst überfällig: Der Theme- und Plugin-Markt wird fast schon überflutet mit Baukastenlösungen und parallel wächst die Konkurrenz in der Homepage Baukasten Branche. Alle diese Systeme sollen es dem Anwender vereinfachen, Layouts zu organisieren, Inhalte per Drag’n’Drop zu pflegen und ihre Seiten schnell zu bestücken.
Das Problem daran ist, dass diese Lösungen auf den ersten Blick zwar toll aussehen, im Alltag dann aber doch hier und da zu Unannehmlichkeiten führen. Beispielsweise verwenden viele der WordPress Baukasten Plugins eigene Shortcodes, die durch Verschachtelung schnell zu unübersichtlichem Codemüll führen. Möchte man eine mit derartigen Bausteinen erstellte WordPress Site von dem Zauber befreien, darf man häufig alle Formatierungen manuell entfernen und kann erst dann über ein neues Layoutmodell nachdenken. Wer schon einmal an einem Relaunch einer solchen Website beteiligt war, weiß von diesen Nebenwirkungen.

Homepage Baukästen Systeme hingegen sind häufig sehr einfach aufgebaut. Ein geschultes Auge erkennt sofort, wenn eine Website mit Wix, Jimdo und Co. erstellt wurde. Sie wirken allesamt wie Kleidung von der Stange: preiswert aber der Sitz ist nicht perfekt. Individuelle, einzigartige Layouts sind hier schwer bis gar nicht umsetzbar. Der Quellcode ist dabei häufig aufgebläht, das Editieren nur eingeschränkt möglich.

Was versteckt sich nun hinter WordPress‘ Gutenberg?

Die Grundidee hinter Gutenberg ist ein Blocksystem, „Gutenblocks“ sozusagen. Der Editor ist dabei ähnlich wie erwähnte Visual Editor Plugins aufgebaut. Man kann Inhaltsbausteine anlegen wie zum Beispiel Textabschnitte, Überschriften, Bilder und Bildergalerien uvm. In jedem Blockabsatz besteht auch die Möglichkeit, HTML Code einzubetten. Derzeit kann man den Gutenberg Editor via Plugin testen. Es wird davon abgeraten diesen auf einer Livesite einzusetzen, da das ganze System noch fehlerbehaftet ist.

Es empfiehlt sich also, eine Testinstallation von WordPress anzulegen, um das Plugin auszuprobieren. Hat man es installiert, findet man in der WP Admin Sidebar eine neue Sektion mit Namen „Gutenberg“. Hier kann man Beiträge mit dem in der Entwicklung befindlichen Bearbeitungsmodus anlegen und editieren.

Die Bedienung ist weitestgehend selbsterklärend, über die Bedienfelder am Rande der Blöcke können Einstellungen getätigt werden. Die Sidebar rechts eröffnet weitere Möglichkeiten, wie zum Beispiel Galerieeinstellungen, Textgrößen innerhalb der Blöcke und so weiter. Außerdem sind hier auch die bekannten Widgets des Bearbeitungsmodus untergebracht. Wirklich neu ist das System also nicht.

Gutenberg steckt noch in den Kinderschuhen

Wer sich ein wenig mit der Blockpositionierung auseinandersetzt, wird schnell bemerken, dass das System noch unausgereift ist. Das verraten auch die nur mittelmäßigen Plugin Bewertungen.

Möchte man beispielsweise ein Bild mit umliegendem Textfluss positionieren, ergeben sich Probleme bei der Anordnung nachfolgender Absätze. Ein Grund, warum ich den Einsatz solcher Editoren – auch des TinyMCE – nicht bevorzuge. Es fällt schwer hier anspruchsvolle Layouts umzusetzen. Letztlich muss man sich an die Blockanordnung und die einhergehenden Einschränkungen gewöhnen, oder man bemüht sich die Basiselemente von HTML und CSS zu verstehen und beginnt damit, professionell zu arbeiten.

Gutenberg bedeutet aber nicht nur für WordPress Anwender einen Umschwung und eine nicht zu unterschätzende Umstellung: Plugin- und Themeautoren stehen vor noch größeren Aufgaben. Und das wird einige Zeit in Anspruch nehmen, wie auch Yoast bereits richtig erkannt hat.

Wer sich von den Neuerungen eher abschrecken denn begeistern lässt, kann mit Sicherheit auch künftig – möglicherweise durch entsprechende Erweiterungen – auf TinyMCE zurückgreifen. Dennoch empfiehlt es sich, Gutenberg ausgiebig zu testen bevor ein finales Urteil gefällt wird.

Wann kommt Gutenberg?

Laut WordPress Chef Matt Mullenweg soll Gutenberg ab WP Version 5.0 die Segel setzen. Vielleicht auch erst in WordPress 5.2. Das hängt vom Entwicklungsfortschritt Gutenbergs ab und kann sich bis Ende 2018 hinziehen, so Mullenweg. Bis dahin sind noch einige Planken durch intakte zu ersetzen.


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