WordPress: "Mein Jahr ohne Hosen"
Scott Berkun über seine Zeit bei Automattic

„Mein Jahr ohne Hosen“

Share on Facebook0Tweet about this on Twitter5Share on Google+0Share on LinkedIn0Email this to someone

Das Buch ‘The Year Without Pants: WordPress.com and the Future of Work’ ist Kritik und Ode zugleich. Kritik an den heutigen, starren Arbeitsbedingungen und eine Art Liebeserklärung an das Unternehmen, das alles anders zu machen scheint: Automattic. Scott Berkuns literarisches Werk über die ‚Zukunft der Arbeit‘ erscheint im Sommer auf Deutsch und sollte versierte Firmen aufhorchen lassen.

wordpress arbeit mullenweg hosen

WordPress Arbeit: bequem und effektiv.

Probearbeit als Leistungsgarantie?

Im Januar hatten wir über eine WordPress Jobausschreibung berichtet, die neben einer einführenden Interviewrunde ein anschließendes Probeprojekt von drei bis acht Wochen vorsah. Probearbeit, so genannte „Try-Outs“ oder „Auditions“, ist das Steckenpferd von Automattic. Firmenchef und WordPress Erfinder Matt Mullenweg sieht in dem Konzept der Probezeit den Schlüssel zum Unternehmenserfolg. In der April-Ausgabe des „Harvard Business Review“ umreißt er seine Firmenideologie: Der Fokus liege auf dem Output, also der sichtbaren Leistung und nicht auf der Stundenanzahl oder dem Verhalten des Angestellten wie in so vielen Firmen von heute. Anstatt Mitarbeiter acht Stunden am Tag brav im Büro sitzen zu lassen, arbeiten Automattic Angestellte oft von zu Hause aus, an den unterschiedlichsten Orten der Welt und werden nach dem beurteilt, was sie produzieren. Egal ob mit oder ohne Hose. Genau diese frische Herangehensweise an das Arbeitsleben war die Inspiration für Berkuns Buch.

Nicht ohne Schreiberlaubnis

Als der ehemalige Microsoft Manager Scott Berkun von Mullenweg im August 2010 gebeten wurde, erster Teamleiter bei Automattic zu werden, war seine Antwort unmissverständlich: „Nur, wenn ich darüber schreiben darf“. Es entstand ein Buch, das einen einmaligen, intimen Einblick in die WordPress.com-Prozesse gibt. In eine Welt ohne E-Mails, mit unbestimmten Urlaubszeiten und einem dezentralisierten, mobilen Arbeitskonzept, das seinesgleichen sucht. “It didn’t matter if you were pantless in your living room or bathing in the sun, swinging in a hammock with a martini in your hand”, schreibt Berkun, “what mattered was your output.”[1](Quelle)

In einem Interview mit dem „Harvard Business Manager“ verrät Berkun, warum Try-Outs der ideale Weg zu mehr Effizienz sind:

Aus irgendeinem Grund glauben viele Personalmanager, sie könnten sich in Bewerbungsgesprächen ein zuverlässiges Bild von der zukünftigen Arbeitsleistung eines Kandidaten machen. Das ist falsch. Wenn Sie einen Kuchen für Ihre Hochzeit bestellen wollen, bitten Sie den Konditor ja auch um ein Stück zum Probieren, statt sich einen Vortrag über den Kuchen anzuhören. In Try-Outs lässt sich viel besser herausfinden, wer für einen Job ausreichend qualifiziert und geeignet ist.

Doch Friede, Freude, Eierkuchen herrschte nicht immer. Berkun bemängelt beim WordPress.com-Unternehmen das konsequente Ausnutzen der ungewöhnlich vielen Freiheiten:

Wenn mich etwas frustrierte, hatte das eher mit mangelndem Ehrgeiz zu tun. Die Kultur dort fördert die enge Zusammenarbeit an kleinen Veränderungen. Den Leuten wurde viel Freiheit gegeben, Risiken einzugehen. Doch nur wenige haben diesen Spielraum wirklich genutzt und einen großen Schritt gewagt.

Automattic-Struktur als Vorbild für andere Firmen

Scott Berkun zufolge können andere Unternehmen noch viel von Automattic lernen.

Sie können sich zum Beispiel das tiefe Bekenntnis zur Innovation als Beispiel nehmen. Führungskräfte reden heute gern über Innovation, doch die meisten sind im Grunde konservativ. Matt Mullenweg dagegen will Sachen ausprobieren. Er hat kein Problem damit, wenn etwas nicht funktioniert – „Jetzt wissen wir besser, wie das Problem gelöst werden kann“, sagt er dann einfach. Wenn auch andere Unternehmen zu einem Modell mit dem CEO als oberstem Experimentator übergehen würden, könnten sie erfolgreicher sein.

Deutsche Ausgabe kommt im Sommer

Der Wiley-VCH Verlag lässt das Buch ‚Mein Jahr ohne Hosen: Arbeiten für das Unternehmen von morgen‘ im August nun auf Deutsch erscheinen: 300 Seiten Insider-Infos für 19.99 Euro, übersetzt von Isabel Lamberty-Klaas. Die Kurzinfo verrät, was Leser erwarten dürfen: „Scott Berkun hat ein Jahr lang ein virtuelles, innovatives Team bei Automattic geleitet und dabei eine Arbeitswelt kennengelernt, die seinen bisherigen Erfahrungen völlig widersprach. In ‚Mein Jahr ohne Hosen‘ schildert er dieses spannende Experiment.

Hier gibt es den offiziellen englischen Trailer zum Buch. Ein Ausschnitt daraus ist als Appell für eine Neustrukturierung der Arbeitswelt zu verstehen: „Imagine a worklife driven by meaning and not just a paycheck.“[2]

 

[1] Übersetzung der Redaktion: „Es war egal, ob du dich ohne Hosen im Wohnzimmer befandst, ein Sonnenbad nahmst oder ob du mit einem Martini in der Hand in der Hängematte hin- und hergeschaukelt bist. Wichtig war dein Output.“
[2] Übersetzung der Redaktion: „Stellen Sie sich ein Arbeitsleben vor, das von Bedeutung, und nicht vom Gehaltsscheck angetrieben wird.“

Bild: Shutterstock.com/LoloStocky


Marie

Wer Dynamik und Innovation sucht, der findet WordPress. Meine persönliche Faszination: Die Usability und Anwendungsvielfalt von WordPress.
Share on Facebook0Tweet about this on Twitter5Share on Google+0Share on LinkedIn0Email this to someone
Kommentare zu "„Mein Jahr ohne Hosen“"
  1. David Decker schrieb am 13. Mai 2014, um 07:52 Uhr:

    Danke für die Info! Schön, dass dies auf Deutsch erscheint, bin sehr gespannt 😉

Schreibe einen Kommentar

Pressengers lebt von der Wordpress Community, beteilige dich mit einem Kommentar!
Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

Achtung: Mit dem Absenden eines Kommentars erklärst du dich damit einverstanden, dass alle eingegebenen Daten und deine IP-Adresse zum Zweck der Spamvermeidung durch das Programm Akismet in den USA überprüft und gespeichert werden. Weitere Informationen zu Akismet und Möglichkeiten des Widerrufs..